SHADE 1: Vom Pustenberg zum Oefterbach

Das Ruhrgebiet ist grün. Verdammt grün!
Und wenn man sich ein wenig auskennt (oder einfach treiben lässt) kann man speziell im Ruhrtal, im südlichen Ruhrgebiet, Wege finden, die einen nicht selten an mittelgebirgige Urlaubsregionen denken lassen. Ziel ist heute ein – zunächst auf etwas mehr als 2 Stunden geschätzter – Rundweg mit dem Ziel „Oefter See“. Einem kleinen, naturbelassenen Weiher artigen Gewässer jenseits des Pastoratsbergs.

LÄNGE:
ca. 10,1 KM

SCHRITTE:
ca. 13.500

DAUER:
3 Stunden FLZ (Frieda-Laufzeit mit Anhalten und Fotos machen)
2:15 Stunden wirkliche Laufzeit

BESONDERHEITEN:
Viele Steigungen und Höhenmeter. Im Winter am Besten mit wanderfähigen Gummistiefeln zu begehen. Wenig Straße, absolut überwiegender Anteil an Wald- und Wiesenwegen. Sehr abwechslungsreiche Landschaft.

STARTPUNKT:
Oberer Pustenberg in Essen-Werden
GPS: 51.381367, 7.006718

Wir starten an diesem kalten aber trockenen Tag Ende Januar 2015 Wandergummistiefel bewehrt in Essen-Werden am Unteren Pustenberg und gehen quer über ein Feld in Richtung Grüner Harfe, halten uns aber immer nach oben hin.

ZIEL:
„Oefter See“ und zurück
GPS (Nähe): 51.381367, 7.006718

KARTE:
Open Street Map

Karte_01

 

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Mir ist besonders wichtig bei meinen Hundgängen, dass sie Leine möglichst wenig zum Einsatz kommt. Daher bevorzuge ich natürlich Wege, die – bis auf wenige Ausnahmen – auf Straßen verzichten. So starten wir über Werden, am Oberen Pustenberg (in der Nähe der Jugendherberge Werden) und es geht über einen weitläufigen Acker bei leichtem Anstieg über Trampelpfade, vorbei an einem längst verfallenen Geisterhaus bis zur Barkvovenallee.

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Diese überqueren wir, um direkt wieder einen wechselbewirtschafteten Acker zu betreten. Rechterhand lassen wir die Rheinischen Kliniken liegen, die es sich hier im Grünen gemütlich gemacht haben, und folgen einem weiteren Trampelpfad zwischen den Ackerflächen rechts in den kleinen Wald. Bereits hier läuft man „Gefahr“ den ersten Rehen zu begegnen, wenn Ihr Hund also eine Schwäche für diese Spezies hat, Augen auf 😉 Außerdem bleibt hier aufgrund der vom Wald geschützten Lage der Schnee immer deutlich länger liegen, als anderswo.

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Am Ende des Feldes (hier oben rechts dort, wo es relativ dunkel wird) folgen wir an der ersten Weggabelung dem linken Weg, der zunächst lauschig zwischen Bäumen her führt, dann aber rapide durch eine Senke nach unten abfällt. Verständlicherweise ein gern genutzter Weg von Mountainbikern. Um hinten wieder gut nach oben zu kommen, empfiehlt es sich, aber der Hälfte des abschüssigen Hanges ins Laufen zu kommen.

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Von nun an geht es bergab. Der kundige Wanderer bedauert dies zutiefst, denn das bedeutet natürlich nur eines: danach geht es wieder bergauf. Unten angekommen, trifft man auf den Klusemannsweg (GPS: 51.373628, 7.004524), der hier in einer Senke zur Linken mittels einer kleine Brücke den kleinen lauschigen Bach „Pauline“ (die eisenrot aus dem Stollenmund des ehemaligen Bergwerks Pauline kommt) überquert. Wir ersparen uns hier jedoch den von hier an ins Extreme steil werdenden Berg und biegen rechter Hand in den kleinen, mit A2 gekennzeichneten Waldweg ab, der sodann – gut, wir sind hier ja nicht in Ostfriesland, ebenfalls recht zügig an Höhe gewinnt.

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Ortsunkundigen sei gesagt, dass wir uns hier rund um den Pastroratsberg bewegen, der mit mehr 200 Metern als höchste Erhebung Essens zählt. Die meisten werden nun lachen, ob der fehlenden Realhöhe, allerdings darf man sich hier wegen der stetigen Wechsel zwischen Auf- und Abstieg nicht täuschen lassen. Ungeübte sollten den gang nicht mit einem Spaziergang verwechseln. Jeder Hundebesitzer weiß zudem, das Wetter ist egal – und mit entsprechendem Schuhwerk kann es einem gar nichts!

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Ach und: nichts gegen sonniges Wetter und strahlend blauen Himmel. Aber hey, es ist Januar und das Wetter spielt im Grunde nur in dem ersten Moment, da man aus dem Haus geht, eine wirkliche Rolle. Man wird ohnehin stets belohnt mit unglaublichen Ausblicken und zudem Wäldern und Feldern, die beinahe menschenleer sind. Essen ist eine Stadt mit über 570.000 Einwohnern, doch wenn man die Wälder durchstreift, ist es, als durchschreite man seinen riesigen Privatwald. Es gibt Schlimmeres. Aber weiter auf der – entgegen aller Verkehrsmeldungen arg freien – A2.

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Mitten im Wald, begegnet man in dieser Gegend immer wieder diesen wundervollen, einsam gelegenen und mit einer eigenen Waldauffahrt gesegneten Häusern, zumeist in Bruchstein oder Fachwerk erbaut und formidabel restauriert. Hier ist es ein schmuckes Anwesen auf der Langeheide in deren „Garten“ sich auch heute wieder Rehe tummeln. Latent neidisch aber gönnenden Blickes gehen wir weiter, direkt auf die nächste steile Senke zu, auf die nach der notwendigen Überspringung eines kleinen namenlosen Baches – ach was – ein umso steilerer Anstieg folgt.

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Und wie es sich gehört, wird man dann oben belohnt. Eine Lichtung empfängt uns mit leichtem Nebel, der eine aufbrechende Wolkendecke ankündigt. Und keine 5 Minuten später, wir treffen gerade auf den Geilinghausweg (GPS: 51.370172, 6.995942) (eines der wenigen Straßenstücke der Tour), bricht die Sonne durch und alles erstrahlt in großartigem Winterwetter. Nach nur ca. 400 Metern biegen wir in den mit „privat“ gekennzeichneten Geilinghausweg (ja manchmal heißt in ländlichen Gegenden eben alles gleich 😉 nach rechts ab.

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Vorbei an einem großen, gut gepflegten Reiterhof – derer gibt es hier zur genüge – gehen wir den vor uns liegenden Weg bestetig, aber gemächlich  abfallend immer weiter hinunter ins Tal. Quer durch Wiesen und Felder und mit schnell schärfer werdendem Blick auf die mächtige Ruhrtalklinik, die sich hier einen imposanten Platz gesichert hat.

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So, und nun – am Ende des Weges meint man beinahe durch den Garten des einzigen Hauses weit und breit gehen zu müssen – fällt der Weg noch einmal ein ganzes Stück steiler ab, als zuvor. Man durchwatet den (zumindest zu dieser Jahreszeit) von unzähligen Pferdehufen durchfurchten Waldweg bis es links am, das Areal als Naturschutzgebiet ausweisenden Schild scharf nach unten und sogleich wieder hoch geht. Ab hier dürfte Ihr Hund ausrasten. Meiner tut es zumindest. Der Weg ist schmal und nach dem Sturm im Sommer 2014 voller umgefallener Bäume. Springen ist hier für Mensch und Tier eine spaßige Pflicht. An der ersten Kurve nach links bemerkt man bereits die Oefte, den namensgebenden Bach der ganzen Gegend.

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Im Winter stimmungsvoll, im Sommer lauschig und natürlich ideal, wegen der ganzen Trinkmöglichkeiten für den Vierbeiner. Der Weg wird noch einmal schmaler und man fragt sich nicht nur einmal, ob es denn überhaupt ein Weg ist, den man hier beschreitet. Doch: es ist! Achterbahnmäßig geht es am steilen Hand zur Linken der Oefte – die ja aus dem sogenannten „Oefter See“ im Grunde gar nicht gespeist wird, diesen sogar eigentlich nur umfließt – immer weiter in Richtung Ziel.
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Der letzte Teil des Weges zum See (Weiher würde es eher treffen) führt uns über mittig durchspülte Wege und beschert und den ersten Blick auf das ursuppige Biotop. Das allerletzte Stück legen wir auf einem Sumpfpfad zurück und hey, er ist nicht groß, er ist nicht spektakulär, aber er ist 100% natürlich: Der „Oefte See“:

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Der Weg ist das Ziel. Das ist heute nicht anders, als drehen wir flugs um, um dem Weg ein wenig zurück zu folgen, bevor wir uns, wieder am Hang angekommen, der Oefte zu wenden und den arg versteckten Weg am Ufer des kleinen, natürlichen Baches folgen.

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Der Bach ist großartig, irgendwie genau die abgeschiedene Ecke an der man verweilen möchte, hätte man nicht noch den Rückweg vor sich. Also springt Frieda mir voran ziemlich aufgeregt, wegen der vielen spannenden Gerüche, durch einen lichten Hein auf sumpfigem Grund, immer wieder über umgefallene Bäume springend und dem Pfad (ein Weg ist es schon lange nicht mehr und ich schätze im Sommer muss man sich mit der Machete die Passage erkämpfen) folgend.

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Nun mitten im Naturschutzgebiet Oefter Wald befindlich, folgen wir am Ende des kleines urigen Weges – ohne die Brücke zu überqueren – dem Weg, der sich rechts der Oefte durch den Wald (im Grunde in Richtung Ruhr) schlängelt. Nach ein paar Metern haben wir bereits wieder einen Baum mit dem berühmten A2-Kennzeichen erblickt und folgen den reichhaltigen Pferdehufen auf dem weichen Waldboden bergauf. Und schon wieder ändert sich die Landschaft. Beinahe heidegleich erstrecken sich plötzlich flache Büsche und hohes Gras am Waldrand und führen uns links unterhalb des wunderbaren und urigen Landgasthofs „Oefter Wald“ immer weiter den Bergrücken hinauf. Wer mag, kann hier (allerdings nicht im Winter) eine perfekte Rast in einem der schönsten Waldbiergärten einlegen und sich von Weizenbier und Schnitzeln verwöhnen lassen.

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Als die Lichtung sich wieder auf den Wald zu bewegt, hat man die Wahl. rechts zum Gasthof, links in Richtung Wald und Ruhr und geradeaus – die steilste Strecke der A2 überhaupt – hinauf, zurück zu unserem Rundweg. Es nützt ja nichts, wir gehen geradeaus. Den ganzen Weg über begeht man einen Grat im Grunde in der Mitte, der Berg zieht sich und die Reifenspuren auf dem Boden lassen einen an zig Mountainbiker denken, die einem hier bei etwas besserem Wetter wohl entgegen springen mögen.

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„Oben“ an und wieder zu Atem gekommen erblickt man zur Rechten wieder Bauern- und Reiterhöfe, muss dem Weg inmitten des dichten Waldes jedoch noch einige hundert Meter folgen, durch wahre Ilex-Alleen.

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Unmittelbar nach der kleinen, aus etwa 5 Häusern bestehenden und zum Kutschenweg gehörenden Siedlung, bricht abermals die Sonne durch und taucht die weiten Felder in ein erhabenes Licht. Von den Regen- und Schneefällen der letzten Tage angestautes Wasser bricht das Licht derart schön, dass ich erwäge, einfach eine Weile hier zu bleiben. Der Hunger alleine treibt uns weiter. Frieda ist bereits eine Ecke weiter.

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Mittels Leckerchen kann ich sie kurzfristig zu einem weiteren Foto „überreden“, bevor es dann doch recht rasch und steil bergab geht. Wir folgen nun einfach dem Kutschenweg (der im Grunde eine Straße ist) kurz ins Tal in Richtung „Pauline“, biegen dann – beinahe unten angekommen – zackig und unfassbar steil wieder bergwärts in Richtung der A2 auf die Langeheide zu strebend rechts ab und ZACK –  treffen auf genau die Stelle, an der wir bewundernd neidisch auf das wundervolle Bruchsteinhaus mit dem imposanten Gussstahltor inmitten des Waldes stießen.

Der Kreis schließt sich und wir folgen dem schon bekannten Weg bis hoch auf das Feld hinter der Barkhovenallee.

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Und mit diesem – erneut sonnendurchfluteten – erhabenen Blick bis rüber zur jenseits des Baldeneysees liegenden Villa Hügel und sogar bis weit in die Innenstadt von Essen zum Evonik-Turm, schließen Frieda und ich Frieden mit unserem Hunger und freuen uns auf ein opulentes Mahl.

Ich hoffe, Euch demnächst einmal hier zu treffen 😉

Euer Markus

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Mehr über die unglaubliche Frieda gibt es hier auf YouTube.

 

2 Gedanken zu “SHADE 1: Vom Pustenberg zum Oefterbach

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